Geschichte des weißen Tees

Ursprünge und Entwicklung 

Geschichte des weißen Tees

Die Geschichte des weißen Tees liegt vermutlich in der Tang-Dynastie. Die moderne Form des Anbaus entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert in Fuding, Fujian.

Ursprünge und Herkunft des weißen Tees

Als gesichert gilt, dass der Ursprung des weißen Tees, sowie auch des grünen Tees im alten China liegt. Die genaue Geschichte ist aber umstritten und relativ komplex, da leider nur wenige schriftliche Überlieferungen vorliegen. Das meiste Wissen über diesen Tee wurde mündlich überliefert.

Weisser Tee Ursprung China

Ursprung in China

Festmahl mit Tee

Festmahl mit Tee

Teehandel in der Song-Dynastie

Teehandel in der Song-Dynastie

Ursprünglich wurde Tee eher als Medizin, denn als geschmackvolles Getränk von wild wachsenden Teebäumen gepflückt und auf natürliche Weise getrocknet.Frühe Spuren lassen sich in der Region Fuding der Provinz Fujian bis in die Zhou-Dynastie (1046-256 v.Chr.) zurückverfolgen. Der Legende nach wurde die medizinische Wirkung des wild wachsenden Tees in Fuding aber bereits vor etwa 4.000 Jahren entdeckt. Durch seine Hilfe sollen Seuchen (insbesondere die Masern), die die Region bedrohten, erfolgreich eingedämmt worden sein.

Vermutlich wurde der weiße Tee erstmals in der Tang-Dynastie (618-907 n.Chr.) angebaut. Der Begriff „weißer Tee“ wird dabei erstmals vom berühmten Autor Lù Yǔ (chinesisch: 陆羽, 728-804 n. Chr.) in dem ersten spezifischen Buch über Tee „Ch’a Ching“ (das Buch vom Tee / Teeklassiker, The Classic of Tea) erwähnt. Es war der bevorzugte Tee des kaiserlichen Hofes und erlangte höchsten Status in der Song-Dynastie (960-1279 n.Chr.).1 Der chinesische „Teekönig“ der Song-Dynastie, Hui-tsung (1101-1124), schrieb eine Abhandlung über 20 Teearten, von denen er den weißen Tee als den rarsten und zugleich den mit dem delikatesten Geschmack bezeichnete (vgl. 2, S. 31).

Entwicklung des Tees in China (Gemälde)

Weißer Tee als Pulver

Ursprünglich wurde der Tee wohl auch häufig, oder eher auf andere Weise verarbeitet, als dies heute der Fall ist. Um 1200 n.Chr. wurden die unreifen Knospen und Blätter, die auch heute noch verwendet werden, gleich nach der Ernte gedämpft, getrocknet und zu Pulver vermahlen. Das Teepulver konnte relativ gut aufbewahrt werden. Dieses Pulver wurde ähnlich wie heute das Matcha (chinesisch: Mocha) in der Teezeremonie der Song Dynastie in Mocha-Schalen mittels eines Besens und heißem Wasser zubereitet. Zu dieser Zeit war der weiße Tee außerhalb Chinas noch vollständig unbekannt. Es sei noch erwähnt, dass auch heute noch Pulvertee aus weißem Tee existiert und durch seine besonderen Inhaltsstoffe von spezieller gesundheitlicher und geschmacklicher Bedeutung ist.

Pulver vom weißen Tee aus der Provinz Fujian, China

Pulver vom weißen Tee aus der Provinz Fujian, China


Entwicklung vom Pulvertee zum heutigen Blättertee

Erst im Laufe der Zeit, vor allem ab der Ming-Dynastie (1368-1644 n.Chr.) ergab sich eine größere Varietät in der Herstellung und Zubereitung des Tees in China, als die Gewinnung von losem Tee und das Aufbrühen desselben sich mehr verbreitete. Ermöglicht wurde dies erst durch die Entwicklung luftdichter Behälter zur Lagerung des Tees. Ab dieser Zeit und voraussichtlich erst im 18. Jahrhundert (vor allem in der Qing-Dynastie) entwickelte sich die Herstellung des weißen Tees in der heutigen Form.

Teegenuss im alten China

Teegenuss im alten China


Der weiße Tee aus Fuding, Fujian

Im Jahr 2009 fanden chinesische Archäologen in einem mehr als Tausend Jahre alten Familiengrab in Xi’an den uns heute als edelsten weißen Tee bekannten Bai hao yinzhen (Silbernadeltee) aus Fuding (Provinz Fujian in China). Zhou Lianggong (chinesisch 周亮工, 1612–1672 n.Chr.), ein Autor der Qing-Dynastie (1644-1911 n-Chr.), schrieb in seinem Buch Min Xiao Ji, dass der Silbernadeltee ursprünglich aus dem Taimu-Gebirge Fudings stamme. Er führte aus, dass der beste Taimu Tee in dem Gebiet der Hongxue Höhle (Große Schneehöhle) zu finden wäre. Dieser Taimu Tee besitze „kühlende“ (gemäß TCM) medizinische Eigenschaften, könne Masern heilen und sei im Wert mit Gold zu vergleichen. Und auch noch heute gilt der Silbernadeltee von Teefarmen am Mount Taimu in Fuding als der Beste aller weißer Tees. Dem ursprünglich wild wachsenden weißen Fuding Tee dürfte heute der weiße Snow Bud Tee (Xue Ya), der auf über 1000m am Mt. Taimu gepflückt wird, am ähnlichsten kommen. In vielen alten chinesischen Gedichten wird der weiße Tee vom Taimu Gebirge „Lu Xue Ya“ (Green Snow Bud) genannt, der teilweise mit dem Bai Hao Yinzhen gleichgesetzt wurde. 

Der Dichter Zhou Lianggong

Der Dichter Zhou Lianggong

Taimu-Gebirge in Fuding

Taimu-Gebirge in Fuding

Legende von Langu

Über die Entstehung des Silbernadeltees am Mount Taimu ranken sich viele Legenden. Eine dieser Legenden wird im Buch „Ningde Cha Zhi“ erzählt. Dort heißt es, dass  zwischen 2357 bis 2318 v. Chr. eine Frau namens Langu am Taimu Berg wohnte. Wegen dem häufigen Ausbruch von Masern starben viele Kinder in der Umgebung. Eines Nachts hatte sie einen Traum, in dem ihr eine Lösung erschien: „Es gibt einen Baum, der Baicha genannt wird. Die getrockneten Blätter können mit heißem Wasser übergossen als Medizin verwendet werden.“ Als Langu aufwachte, ging sie sofort auf den Berg und fand den ungewöhnlichen „weißer Tee-Baum“. Aus seinen Blättern stellte sie den ersten weißen Tee her und heilte damit erfolgreich die erkrankten Kinder. Zur Erinnerung an ihre guten Taten wurde sie Taimu Niang Niang genannt, was so viel bedeutet wie „Bergkaiserin“.

Erste Teebaumpflanzungen in Fuding im 19. Jhdt.

Um das Jahr 1855 bis 1857 herum sollen in der Region Fuding der Provinz Fujian große Teebäume aus dem Taimu Gebirge gepflanzt worden sein, um die erste moderne Version des Silbernadeltees (Fuding Da Bai, übersetzt: das große weiße Blatt aus Fuding, Da-Bai Cha-Shu) herzustellen. Die soll im Dorf Diantou geschehen sein. Von dort stammen noch heute die beiden wichtigsten Cultivare Fuding Da Bai und Fuding Da Hao ab, die 1985 registriert wurden.

Relativ schnell wurde der Anbau in größerem Stil ausgeweitet. Diese beiden Cultivare gehören bis heute zum besten weißen Tee weltweit. Trotzdem blieb der Silbernadel-Tee aus Fuding bis heute sehr exklusiv und macht noch weniger als 0,1% der gesamten Teeproduktion Chinas aus. Die zweitbeste Sorte weißen Tees, der Pai Mu Tan (weiße Pfingstrose, White Peony) wurde in seiner modernen Form wohl ab 1922 in der Region Jianyang (Shuiji) angebaut und findet sich heute darüber hinaus, wie der Silbernadeltee, in den Regionen Fuding, Zheng He und Songxi. 

Teefeld weißer Tee in Fuding, Fujian

Teefeld weißer Tee in Fuding, Fujian


Der Zheng He Da Bai

Einige Jahrzehnte später, Anfang des 19. Jahrhunderts, kam dann ein weiterer führender Cultivar hinzu. Er stammt aus der Region Zheng He, etwa 140km westlich von Fuding, ebenfalls zur Provinz Fujian gehöreig. Zheng He startete ebenfalls relativ schnell den Anbau von weißem Tee im größeren Stil und exportierte seine Waren vorwiegend nach Europa. Der Silbernadel-Tee aus Zheng He greift dabei häufig auf den Cultivar Fu’An Da Bai zurück, der ebenfalls 1985 registriert wurde. Der Fuding Da Bai besitzt fleischigere Knospen als der Fu’An Da Bai, was viele Teeliebhaber sehr schätzen. Auf der anderen Seite kann der Fu’An Da Bai länger oxidiert werden, was ihm einen vollmundigeren Geschmack erlaubt.

Aus dem späten 19. Jahrhundert ist schließlich überliefert, dass verschiedene Teesträucher bzw. Teebäume für den Anbau verschiedener Sorten von weißem Tee benutzt wurden. Zu dieser Zeit setzte auch verstärkt der Export des Tees in andere Länder ein.

Alter Teehafen in Fujian

Alter Teehafen in Fujian


Quellen:

  1. 1 Mao, Jenny T.; White Tea: The Plants, Processing, Manufacturing, and Potential Health Benefits, S. 33-40, in: Tea in Health and Disease Prevention, Elsevier, 2013.
  2. 2 Okakura, Kakuzo: Das Buch vom Tee, übertragen von Horst Hammitzsch, insel taschenbuch, 1. Aufl. 1979.



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